Von Sonnenaufgang bis Pilzpfanne - ein spätsommerlicher Marmeladenglasmoment im September

Im Vordergrund ein Holztisch mit einem Teller voll Kuchen, im Hintergrund ein See mit grüner Ufervegetation

Liebes Tagebuch,

heute war einer dieser Tage, die man am liebsten in ein Marmeladenglas sperren würde, damit nichts davon verloren geht. Schon am frühen Morgen hing ein warmer Hauch von Spätsommer in der Luft. Fast so, als wolle der September uns noch einmal das Gefühl von Juli schenken.

Gemeinsam mit Ruth, eine der weiteren Umweltpraktikantinnen, und Lydia, der FÖJ`lerin, schwang ich mich gegen 6.15 Uhr aufs Rad in Richtung Jugendwaldheim. Der Himmel färbte sich schon in den ersten Farben des Sonnenaufgangs.

Unterwegs begegneten wir einer kleinen Gruppe Damwild, die ganz selbstverständlich auf dem Radweg stehen blieb. Über uns riefen zwei Kraniche, daneben sahen wir Schafe am Wegesrand und sogar einen Schwarzspecht, der voller Energie gegen einen toten Baumstamm hämmerte. Diese Vielfalt an kleinen Augenblicken begleitete uns bis zum Ziel.

Im Jugendwaldheim wartete bereits ein gemeinsames Frühstück. Frische Brötchen, dampfender Kaffee und leise Radiomusik – ein gemütlicher Start in den Tag, geprägt von vielen Gesprächen. Danach hieß es aber: zurück an die Arbeit. Erst noch kurz ein paar Dinge am Rechner klären, dann machten wir uns an die Vorbereitung einer GPS-Tour um den Grünower See. Um zu sehen, für welche Zielgruppen sie geeignet wäre, mussten wir sie erst einmal selbst ablaufen. Also schnürten wir unsere Wanderstiefel und brachen auf. Die Runde dauerte am Ende ganze fünf Stunden und führte uns durch abwechslungsreiche Landschaften mit vielen kleinen Entdeckungen.

Das große Highlight des Tages kam ganz unverhofft: Unter einem Baum stießen wir auf eine riesige Krause Glucke, ganze 1,7 Kilogramm schwer! Zum Glück befanden wir uns hier schon außerhalb des Nationalparkgebiets, sodass wir sie guten Gewissens mitnehmen konnten. Wir trugen sie wie einen Schatz mit uns. Auf dem Rückweg sprachen uns immer wieder andere Wanderer auf unseren Fund an, und jedes Mal spürte ich, wie ihre Begeisterung unsere Freude noch verstärkte.

Zurück am Jugendwaldheim gab es zur Stärkung Kuchen für alle – genau das Richtige nach dieser Tour. Danach setzte ich mich noch einmal kurz an den Rechner, erledigte einen Anruf und ließ den Arbeitstag langsam ausklingen. Gegen 16 Uhr radelten wir zurück nach Serrahn. Unterwegs stießen wir auf einen alten Apfelbaum, dessen Früchte uns so verlockend entgegenleuchteten, dass wir einfach nicht widerstehen konnten.

Den krönenden Abschluss des Tages bildete am Abend unser gemeinsames Festmahl. Wir bereiteten die Krause Glucke zu, und schon bald erfüllte ihr würziger Duft die Küche und lockte alle 6 Mitbewohnis aus ihren Zimmern. Beim Essen merkte ich, wie sich all die Erlebnisse wie Puzzleteile zu einem Ganzen fügten. Eine perfekte Mischung aus Arbeit, Natur, Gemeinschaft und diese kleinen Geschenke des Augenblicks … alles floss ineinander. Genau so fühlt sich ein Marmeladenglasmoment an: einer, den man fest einschließt, damit man ihn irgendwann wieder öffnen und kosten kann.

Liv Tralau

Umweltpraktikantin 2025

Ort

Müritz-Nationalpark