Ein Tag auf der Insel

Die ersten Sonnenstrahlen dringen durch mein Fenster, während die Vögel zwitschern und das Meer sanft rauscht – eine idyllische Morgenkulisse. Doch dann durchbricht das Geräusch meines Weckers die Stille. Es ist Montagmorgen, 6:30 Uhr – für mich eigentlich etwas früh. Trotzdem freue ich mich auf den Tag. Mein Arbeitsweg ist denkbar kurz: Nur ein paar Schritte trennen mich vom Büro, das sich direkt gegenüber meiner Zimmertür befindet.
Seit etwa anderthalb Monaten bin ich im Rahmen des Commerzbank-Umweltpraktikums im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft tätig. Mein Einsatzort ist das Nationalparkhaus auf der wunderschönen Insel Hiddensee, und langsam kehrt eine gewisse Routine ein. Wie jeden Morgen beginnt mein Arbeitstag um 7:30 Uhr im Nationalparkhaus mit der Tagesbesprechung. Heute werde ich im Anschluss einige Fledermausaufnahmen auswerten, die ich in der vorherigen Nacht im Wald auf dem Dornbusch für mein persönliches Projekt, die Erfassung der Fledermausaktivität auf Hiddensee, aufgenommen habe.
Nach der Frühstückspause startet die Hauptaufgabe des Tages: Landschaftspflege. Auf dem Arbeitsplan steht die Absperrung des Plateaus, eines beliebten Aussichtspunkts an der Steilküste, der aufgrund akuter Abbruchgefahr gesichert werden muss.
Gemeinsam mit einem Ranger sammle ich zunächst die benötigten Materialien zusammen und säge die Holzbalken zurecht. Bei strahlendem Sonnenschein transportieren wir das Material mühsam mit dem Fahrrad zur Steilküste. Oben angekommen, gönnen wir uns noch einen Moment, um den beeindruckenden Ausblick ein letztes Mal ungestört zu genießen, bevor wir die provisorischen Absperrungen entfernen. Dann heißt es: Löcher für die Pfähle graben und die neue Absperrung errichten.
Nachdem die Sicherung erfolgreich abgeschlossen ist, kehre ich zum Nationalparkhaus zurück, um die Mittagsablösung zu übernehmen. Normalerweise gehört es zu meinen Aufgaben, die gesamte Ausstellung zu aktivieren, aufzuschließen, durchzufegen, die Nationalparkfahne zu hissen und frische Wildblumen für die Ausstellung zu sammeln. Doch heute muss ich nur eine Rangerin während ihrer Pause vertreten – alles ist bereits vorbereitet. Während ich am Empfangstresen sitze, beantworte ich Fragen der Besucher. Manche wollen wissen, wo die nächste Toilette ist oder ob die Ausstellung Eintritt kostet. Andere interessieren sich für tiefere Einblicke in die Natur und den Nationalpark.
Am Nachmittag mache ich mich mit einem Ranger auf den Weg zum Dornbusch, um Müll zu sammeln – hauptsächlich Zigarettenkippen. Zudem zeigt er mir eine Stelle, an der ich später über Nacht ein stationäres akustisches Erfassungsgerät für Fledermäuse aufstellen werde. Die Abendstunden verbringe ich dann damit, dort Fledermäuse zu erfassen während ich in der Dämmerung, am Leuchtturm, umgeben von flatternden Fledermäusen den Tag ausklingen lasse. Es ist ein unvergesslicher Ausklang eines langen, abwechslungsreichen, lehrreichen und wunderschönen Tages.
Ben Brockmann
Umweltpraktikant 2025
Ort
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft