Der Weg ist das Ziel - oder?
Büroarbeit, Führungen oder Materialbesorgung – im Nationalpark Hainich kann alles auf dem Tagesplan stehen, ob geplant oder spontan. So auch an diesem Montag. Früh morgens ging es für meine beiden Praktikanten-Kollegen und mich im altbewährten „Haini“, unserem Nationalpark-Elektroauto, los.
Unser Auftrag: einen Vortrag für angehende Erzieherinnen in einer Schule anhören und anschließend ein pädagogisches Programm vor Ort mit ihnen durchführen. Der Plan stand, das Wetter war sonnig, die Stimmung gut – also los! Die ersten 15 Kilometer liefen wie geschmiert – gute Musik, gute Laune.
Doch an der Schranke zum Nationalpark der erste Schock: Haini zeigte statt der gewohnten 140 km Reichweite nur noch 20 km an. Wieso der leere Akku? Ladeprobleme übers Wochenende? Blöd – es lagen noch mindestens 17 km vor uns – nur auf dem Hinweg! Ein Anruf in der Verwaltung? Fehlanzeige, keiner ging ran. Zum Glück kam über den Gruppenchat Hilfe: Ranger Kevin! Keine zehn Minuten später raste er mit einem Ersatzauto herbei. Schnell Autotausch, weiter ging’s – mit etwas Zeitverzug, aber noch im Rahmen. Doch der nächste Zwischenfall ließ nicht lange auf sich warten. Kevin warnte uns vor einem frisch umgestürzten Baum – angeblich umfahrbar. Vor Ort jedoch, bei mittlerweile einsetzendem Starkregen, entpuppte sich dies als optimistische Einschätzung. Die Straße war rutschig, die Ränder abschüssig. Also: raus, zu dritt den Baum angehoben und so weit wie möglich von der Fahrbahn gezerrt. Zurück ins Auto – weiter!
Kurz vorm Ziel, noch zwei Kurven bis zur Hauptstraße – und dann: der nächste Baum. Diesmal groß, schwer und mitten auf der Straße. Keine Chance, den zu bewegen. Also Wenden auf dem schmalen Weg (fast im Matsch steckengeblieben), zurück bis zur Kreuzung. Dort: Entscheidung. Noch zwei Wege führten zum Ziel – ein langer Umweg oder ein unbekannter, vermeintlich kürzerer Weg durch den Norden des Hainich. Wir entschieden uns für das Abenteuer. Zunächst schien alles gut – der Waldweg war zwar schmal, aber passierbar. Doch dann, kurz vorm Ziel, die nächste Überraschung: ein großes gelbes Banner mit der Aufschrift „Holzerntearbeiten“ versperrte den Weg. Kein Durchkommen. Erneuter Anruf in der Verwaltung (diesmal mit einem einzigen Balken Empfang): Keine Sondererlaubnis möglich. Also umdrehen, den ganzen Weg zurück, und doch den langen Weg nehmen.
Inzwischen war es fast 11 Uhr – zwei Stunden zu spät, der Vortrag fast vorbei. Nach langer Fahrtstrecke sahen wir endlich eine Stadt – allerdings nicht unser Ziel, sondern der Nachbarort. Bergab, durch die Kurve – und dann: eine Baustelle, direkt auf unserer Ausfahrt zur Hauptstraße. Wir konnten nur noch lachen. Aber immerhin – diesmal hatten wir Empfang! Google Maps zeigte uns eine Schleichstraße. Zwar übersät mit Schlaglöchern, aber besser als nichts (halt typisch deutsche Straßen). Nur: kein Platz zum Wenden. Also Skills auspacken, rückwärts mit dem Transporter den Berg hoch, dann über die Holperpiste – und tatsächlich: das Ortsschild unseres Ziels! Ankunft: drei Stunden zu spät. Nerven: am Ende. Aber dafür um ein Abenteuer reicher.
Das Beste an der Geschichte? Eine der Praktikanten-Kollegen hatte heute ihren allerersten Arbeitstag. Geplant war ein entspannter Einstieg. Ob’s das geworden ist? Nun ja – einen bleibenden Eindruck hat der Tag auf jeden Fall hinterlassen.
Leonie Ziegenhals
Umweltpraktikantin 2025
Ort
Nationalpark Hainich