Das violette Waldvöglein

Infostand-Materialien im Vordergrund, im Hintergrind baumbewachsene Berge und der Königssee

Der Tag verspricht eine besonders verlockende Anreise zum heutigen Dienststandort: es geht das erste Mal für mich und auch für den neu aufbereiteten, mobilen Stand zum Thema Trittschäden und der Orchideenart Frauenschuh über den Königssee nach Sankt Bartholomä.

Nach der wöchentlichen Teambesprechung im Bildungszentrum geht es mit dem Dienst-Caddy an den Bootsanleger. 

Die Beschreibung der Kolleg*innen, welcher Schlüssel in welcher Hütte, zu welcher Kammer mit welcher Ausstattung führt, ließ schon erahnen, dass logistisch einiges an Herausforderung für den heutigen Tag für die FÖJ-lerin und mich ansteht. Es geht mit dem Passagierschiff eine knappe Dreiviertelstunde über den Königssee inklusive Echovorführung mit Trompete und Ansage durch den Mitarbeitenden von der Schifffahrt. 

Erste Station der “Schnitzeljagd”: am Anleger in Bartholomä herausfinden, ob unser Schlüssel für die neue Hütte schon hinterlegt ist. Fazit: negativ. Also: Ab in die Nationalpark-Informationsstelle auf der Suche nach dem Schlüssel für die Hütte, in der die Kammer ist, in der der Schlüssel ist, für die Hütte, in der die restlichen Utensilien aus der letzten Saison noch lagern. Das Schwierigkeitslevel hält sich wider Erwarten in Grenzen. Die Infostelle ist besetzt und eine Kollegin aus dem Sachgebiet Infostellen zeigt uns alles nochmal vor Ort, was einiges erleichtert.

Da dies das erste Mal in der Saison ist, dass der Stand bespielt wird, wissen wir leider nur, dass der Frauenschuh bereits verblüht ist. Die Info, welche anderen Vertreter der Familie der Orchideen sonst in den Niedermoorbereichen zu finden sind, fehlt uns leider. Anfänglich geringer Betrieb und der anstehende Kontrollgang der Kollegin von der Infostelle gegen unerlaubte Aktivitäten und liegen gelassenen Müll, ermöglicht mir, mit ihr eine kleine Tour in die umliegenden Bereiche zu machen. So kann ich schnell noch eine private Botanikexkursion abstauben. Eine meiner Haupterkenntnisse der ersten anderthalb Wochen: aus Eigeninitiative und Offenheit gegenüber der großen Gemeinschaft der Nationalparkmitarbeitenden lassen sich eine Menge kurzweilige Vorteile ziehen. 

Nach einer halben Stunde bin ich zurück am Stand mit einer gut gefüllten Fotomediathek und den Informationen, welche der bereits im Material gelisteten Arten eigentlich gerade blühen. Fliegen-Rackwurz, Zweiblatt, violettes Waldvöglein, Berg-Waldhyazinthe: alle in voller Blüte, klein aber fein und schwer zu entdecken. Unbekanntes wird mit dem Bestimmungsbuch bestimmt. Alles ist etwas analoger und langsamer, wenn der gewohnte Großstadt-Empfang im Nationalpark mal wieder nach anderen Regeln spielt - definitiv eine willkommene Entschleunigung!

Wir machen die vier Stunden am mobilen Stand voll, packen alles der Schnitzeljagd gemäß rückwärts wieder in seine Kisten, Kammern und Verstecke. Temperaturen um die 23° erfordern dann noch einem kurzen Badegang, trotz Bergseetemperaturen um die 16° eine angenehme Erfrischung.

Eine Dreiviertelstunde zurück übers kühle Blau und von da aus geht es für mich in guten 5 Minuten zurück in die WG. Dann noch an den WG-internen Arbeitsplatz, Stunden eintragen, Mails checken und der Tag ist so gut wie erledigt. Danach ab in die Hängematte auf der Terrasse und wenn die Sonne weg ist - Kräuter gießen!

Anna Dehn

Umweltpraktikantin 2025

Ort

Nationalpark Berchtesgaden