Baukultur in der Prignitz – Unterwegs mit der Jury des Baukulturwettbewerbs

Eine Ruine eines alten Jagdturmes, gesichert und begehbar durch Cortenstahl-Elemente (Treppe und Aussichtsplattform)

Noch etwas verschlafen versammelt sich am Morgen des 9. September 2025 die Fachjury des zweiten Baukulturwettbewerbs des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe-Brandenburg im Innenhof des Besucherzentrums in Rühstädt. Zwar kennen sich nicht alle Jurymitglieder, doch das Eis ist schnell gebrochen. Schon beim ersten Kaffee geht es um die Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin.

Bald wird aber klar, worum es an diesen zwei Tagen eigentlich geht: um Baukultur in der Prignitz. Dass dieses Thema in einem Biosphärenreservat verhandelt wird, überrascht nur auf den ersten Blick.

Bedeutung des Wettbewerbs

Der zweite Baukulturwettbewerb des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg knüpft an eine Idee an, die über den Naturschutz hinausreicht. Denn die Biosphäre soll nicht nur Arten und Landschaften bewahren, sondern auch das menschliche Erbe. Dieses Ziel fördert der Baukultur-Wettbewerb des Biosphärenreservates FL Elbe-Brandenburg.

Insgesamt wurden 2025 in diesem Zusammenhang 25 Beiträge in fünf Kategorien eingereicht: von privaten Sanierungen über Freiraum-gestaltungen bis zu gemeinschaftlichen Projekten und Neubauten.

Die Jurysitzung, mit der nach der Bereisung der Beiträge die besten Projekte ausgewählt werden, ist für den 7. Oktober angesetzt. Die Entscheidung an diesem Termin fällt zwar nicht leicht, doch gerade das macht den Wettbewerb so wertvoll: Es spiegelt, wie lebendig die Baukultur in der Prignitz ist. Am 21. November ist es dann so weit und es werden die Preisträgerinnen und Preisträger geehrt. 

Reise

Dann geht es los – die Jury besteigt den Kleinbus, der an den beiden Tagen zum treuen Begleiter werden wird. Zwischen Fachgesprächen, Karte und Kaffeebecher entfaltet sich ein vielfältiges Bild der Prignitz.

Die Kuhburg – Vergangenheit mit Cortenstahl

Ein einzigartiges Kapitel der Baukultur eröffnet sich an der Kuhburg in Wüsten Vahrnow. Die Überreste eines alten Jagdturms aus dem Hochmittelalter machen auch die Umgebung des Ortes archäologisch besonders spannend. Es drohte ursprünglich die Ruine zu verfallen, bis sie durch eine ungewöhnliche Lösung gesichert wurde: massive, rostfarbene Cortenstahl-Elemente stabilisieren heute die alten Mauern und machen die Burg zugleich begehbar.

Was zunächst wie ein Eingriff aussieht, zeigt sich als schönes Zusammenspiel von Denkmalpflege, Landschaft und Kunst. Der Stahl, der nur oberflächlich rostet, schützt sich selbst und wird mit der Zeit Teil der Umgebung. Er steht sinnbildlich für Dauer und Wandel.

Stadtentdecker in Perleberg

Eine weitere Station der Reise führt nach Perleberg, wo das Projekt „Stadtentdecker“ der Architektenkammer Brandenburg vorgestellt wird. Hier sind Schülerinnen und Schüler am Werk, die ihre Stadt mit neuen Augen betrachten und Konzepte für Räume in ihrer Stadt entwerfen.

In Perleberg fiel die Wahl auf die Alte Post, ein eindrucksvolles Gebäude aus der Gründerzeit. Die Jugendlichen entwickelten dazu ihre eigenen Visionen. Eine Idee war das Konzept von einem „Röhrenhotel“ – kleinen Übernachtungseinheiten, die in dem Haus flexibel installiert werden könnten und Gästen eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit bieten.

Vierseithof in der Prignitz

Ein weiterer Halt führte die Jury zu einem Vierseithof, der beispielhaft für die in Eigenleistung handwerklich geprägte Baukultur der Region steht. Schon beim Betreten des Hofes wird deutlich, wie viel Arbeit hier über Jahre geflossen ist, ohne den ursprünglichen Charakter des Ensembles zu verfälschen. Statt alles zu glätten oder zu überformen, wird mit Geduld und Respekt gearbeitet. 

Noch sind nicht alle Gebäudeteile fertiggestellt, doch es geht immer weiter.

So waren wir auch am ersten Tag der Bereisung nicht fertig, aber mit viel Energie ging es am zweiten Tag weiter, der nicht weniger spannend war.

Julian Fibig

Umweltpraktikant 2025

Ort

Biosphärengebiet Flusslandschaft Elbe-Brandenburg