Aufgewacht mit den Vögeln des Glücks
Es ist 3:30 Uhr, als der Wecker klingelt. Noch immer liegt die Dunkelheit schwer über der Landschaft, als Verena und ich uns aus der Stille unserer Unterkunft in Serrahn auf den Weg machen. Serrahn, eingebettet im Herzen des Müritz-Nationalparks, schläft noch, während wir uns durch die kalte, ruhige Nacht bewegen.
Wir fahren außen um den Park herum, die Straßen sind leer, der einzige Begleiter ist das leise Rauschen des Fahrzeugs und die allumfassende Stille. Der fahle Schein der Scheinwerfer wirft flackernde Schatten auf die Bäume, die wie stumme Wächter des Parks wirken.
Kurz vor 5 Uhr erreichen wir Federow und treffen am Treffpunkt ein. Der Ort ist von einer fast mystischen Ruhe umgeben. Der Nebel hängt schwer über den Wiesen, der Horizont ist noch dunkel, kein Licht ist zu sehen. Die Landschaft scheint in dieser Stunde ein Geheimnis zu bewahren, das darauf wartet, erweckt zu werden. Punkt 5 Uhr beginnt die Führung. Gemeinsam mit der Gruppe und der Rangerin machen wir uns auf den Weg. Die Dunkelheit ist noch tief und der Wald, der uns bald umgeben wird, bleibt zunächst verborgen.
Hin und wieder wird der Weg von kleinen Glühwürmchen erhellt, ein Anblick, den wir zu dieser Jahreszeit nicht mehr erwartet hätten.
Als wir den Aussichtsturm erreichen, ist es immer noch stockfinster. Wir sind mucksmäuschenstill und versuchen, die Kraniche, die nur wenige hundert Meter vor uns am Rand des Sees im seichten Wasser stehen, nicht zu stören. Langsam wird es heller und die Umrisse der Tiere werden zunehmend erkennbar. Die ersten Sonnenstrahlen kriechen über den Himmel und der See füllt sich mit den trompetenden Rufen der Kraniche. Ganz allmählich beginnen sie, sich zu bewegen und zu sammeln.
Nach und nach erheben sich hunderte Kraniche, die sich langsam und majestätisch aus dem flachen Wasser lösen. Ihre kraftvollen Silhouetten steigen in den Himmel, ziehen weite Kreise und verschwinden schließlich im Licht der aufgehenden Sonne. Es ist ein Anblick, der den Atem raubt, ein Moment, der sich tief in die Seele brennt. Mit dem Aufstieg der Vögel erwacht die Landschaft zu neuem Leben und wir sitzen da, in völliger Stille und beobachten dieses Schauspiel.
Die Kraniche, die im Morgenhimmel fliegen, schaffen eine Atmosphäre, die fast überirdisch erscheint. Ihre Rufe hallen über den See und die weiten Flächen des Parks. In diesem Moment spürt man eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, als ob alles im Einklang wäre. Es ist ein Augenblick, der keine Worte braucht, der einfach da ist und uns mit seiner Schönheit und Ruhe erfüllt.
Verena und ich machen Fotos und Videos, um diesen Moment festzuhalten und ihn später mit der Welt zu teilen. Doch es bleibt ein flüchtiger Versuch, einen Teil dieses Zaubers zu bewahren. Was wir hier erleben, ist mehr als ein Bild, es ist ein Erlebnis, das in unseren Erinnerungen weiterlebt und uns immer wieder an diesen magischen Morgen erinnert.
Maria Kea Huisinga
Umweltpraktikantin 2025
Ort
Müritz-Nationalpark