Auf Ornithologischer Exkursion

Wattführer Joke geht am Priel voraus

Es gibt nicht vieles, dass mich an einem Sonntagmorgen um 6 Uhr aus dem Bett aufstehen lasst. Aber dieser Sonntag, der 12. Oktober 2025, ist ein besonderer Tag. Denn er markiert für mich den Start in die Zugvogeltage und für diesen habe ich eine besondere Aktion geplant. Nämlich eine Wattwanderung nach Minsener Oog.

Diese ist eine, mal ausgenommen von Vogelwarten, unbewohnte Insel, was sie zum einen zu einem günstigen Rastplatz für Zugvogel macht. Zum anderen aber auch zu einem erschreckenden Beispiel für die Vermüllung der Meere, da sich der Müll ungehindert an der Insel ablagern kann. Damit ist sie auch in unserer Ausstellung im Wattenmeer-Besucherzentrum vertreten, in Form eines Müllberges bestehend aus dem Müll, der sich über ein ganzes Jahr auf Minsener Oog angesammelt hat und neben alten Fischernetzen, auch diverse Flaschen, Verpackungen und sogar eine Klobrille beinhaltet.

Mit Wanderrucksack, Wathose und Fernglas im Gepäck mache ich mich auf den Weg zum Treffpunkt für unsere Wattwandergruppe, das „Weltentor“ am Strand von Schillig. Welches ich nach einer halbstündigen Autofahrt und etwas Hin und Her am Strand schließlich erreiche. Dort wartet schon Wattführer Joke Pouliart auf die Gruppe und nachdem ich meine Wathose angezogen habe, geht es ohne weitere Umschweife ins Watt.

Zum Glück ist die mehr als 5km lange Strecke vorwiegend von besser begehbarem Sandwatt geprägt, so dass sich unsere Gruppe stetig einen Weg durch die Wattlandschaft bahnt, immer begleitet vom charakteristischen Trällern der Brachvögel, dem Gekreische verschiedener Möwenarten und dem Pfeifen der Austernfischer. Wann immer etwas Außergewöhnliches auf der Strecke zu erkennen ist, stoppt Joke kurz, um es uns zu erklären. Dazu gehört zum Beispiel eine Manila-Teppichmuschel (Ruditapes phillipinarum), welche als Neobiot erst letztes Jahr erstmals in Schillig aufgetaucht ist.

So kommt die Insel mit der Zeit immer näher, doch auf der letzten Etappe wartet nochmal eine echte Herausforderung auf die Gruppe. Es gilt noch drei Priele zu durchqueren, bevor wir unser Ziel erreichen – durch bis zu hüfttiefes Wasser zu waten ist gar kein so leichtes Unterfangen. Doch wir bewältigen auch dieses letzte Hindernis und werden zur Belohnung schon von zwei Bundesfreiwilligendienstlern von der Nationalparkwacht am Fuße der Insel erwartet. Während wir die Zeit nutzen, um uns nach ca. 2 Stunden Fußmarsch mal zu setzen und etwas zu essen, erzählen diese von ihrer Arbeit, für die sie von April bis Oktober die verschiedenen Vogelarten auf der Insel betreut haben. Vereinzelt lassen sich auch noch Tiere über ein Spektiv beobachten.

Allzu lange dürfen wir uns allerdings nicht auf der Insel aufhalten, schließlich gilt es denselben Weg wieder zurückzulaufen, bevor die Flut uns zuvorkommt. Als ich um 13:15 Uhr schließlich wieder am Strand von Schillig stehe bin ich zum einen erschöpft, zum anderen aber auch vorfreudig auf die nächsten Veranstaltungen, welche die Zugvogeltage so mit sich bringen sollten.

Leon Kuby

Umweltpraktikant 2025

Ort

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer