Zwischen Regen und Sonne
Dreh mich um – erneut
zwei Regenbogen vor mir
der Regen küsst mich
Heute ist der perfekte Tag für einen Haiku – eine japanische Gedichtform, die wir im Einführungsseminar im Nationalpark Bayerischer Wald kennengelernt haben. Denn heute ist ein Tag voller besonderer Momente, die ich festhalten möchte. Ein langer Tag voller Eindrücke.
Es ist morgens und ich nippe an meinem Kaffee, während ich die Interviewfragen für heute noch ein fünftes Mal durchlese und sie final ausdrucke. Danach gehe ich in die gewohnten Handgriffe über: Ich begleite Kata (Verantwortliche für Nachhaltige Tourismusentwicklung) erneut bei den Haltepunkten Natur und sammle unser Equipment zusammen, das sich im ganzen Gebäude verteilt hat. Ein Maßband liegt in Tills Büro, eine Sprühflasche in Henriks. Ich gehe durch viele Türen (denn dieses Gebäude hat sehr viele Türen!) und hole die restlichen Werkzeuge aus dem Lager.
Heute fahren wir verschiedene Haltepunkte in der Region um Lenzen an und kontrollieren ihren Zustand. Und ich möchte gemeinsam mit Kata eine Podcast-Episode aufnehmen. Wie so oft zeigt sich: Planung und Realität sind zwei unterschiedliche Dinge. Beim Haltepunkt Auenblick Rückdeichung Lenzen entsteht spontan ein Gespräch zwischen Kata und Axel. Axel hat Material gespendet, aus dem eine Bank für den Standort gebaut wurde. Es ist sehr windig hier – ich hoffe, dass das Mikrofon trotzdem gute Aufnahmen liefert.
Die Aussicht ist beeindruckend: auf der einen Seite die Elbe, auf der anderen weite Wiesen. Axel erzählt von einem ehemaligen Grenzturm auf der anderen Flussseite, von dem aus Menschen aus dem Westen in DDR-Zeiten hinüberschauten. Wie verrückt diese Zeit doch war – dass hier einmal eine Grenze verlief, die Leben getrennt hat, nur wenige Jahrzehnte ist das her.
Heute regnet es, dann strahlt die Sonne. Und dann wieder Regen, Sonne, Regen, Sonne.
Die Rückfahrt dann unter Zeitdruck. Den Stopp im Café müssen wir leider verschieben. Das ist okay, ein andermal. Denn jetzt steige ich ins nächste Auto. Zweite Tour des Tages: Moorfroschsuche. Ich habe mit Henrik (Verantwortlicher für Arten- und Biotopschutz) bereits Aufnahmen für den Podcast gemacht, doch dort waren die Moorfrösche kaum zu hören.
Diesmal habe ich meinen Regenschirm dabei. Wir laufen an den Gewässern entlang. Meine Gummistiefel im Wasser, und ich merke, wieviel Freude mir genau diese Momente machen.
Dann – ein Regenbogen. Nein, zwei Regenbogen.
Gibt es sogar drei? Henrik verneint.
Wir kehren zurück, aber ich muss mich immer wieder umdrehen – denn dieses Bild möchte ich nicht vergessen.
Heute habe ich zwar keine Moorfrösche gehört. Aber ich habe das Biosphärenreservat von seiner schönsten Seite erlebt.
Josephine Blank
Umweltpraktikantin 2026
Ort
Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg