Zwischen Alm und Schmetterling
Gegen 8 Uhr mache ich mich auf den Weg ins Rangerbüro – glücklicherweise nur ein Stockwerk unter unserer WG. Dort bespreche ich mit Ranger Stefan den heutigen Tag. Denn ab und an sind wir vom mobilen Bildungsteam auch gemeinsam mit Rangern an Bildungsständen draußen im Gelände unterwegs. Heute geht es für Eva und mich zum Almstand auf der Bindalm im Klausbachtal.
Rangerin Sabrina wird später direkt zum Stand kommen. Mit unseren E-Bikes fahren wir los. Vorbei am Hintersee geht es immer weiter hinein ins Klausbachtal. Die Straße wird steiler und spätestens jetzt zeigt sich, wie wertvoll die elektrische Unterstützung ist. Schließlich erreichen wir die Bindalm und öffnen den historischen Rundumkaser (Almhütte), der während unseres Einsatzes für Besuchende zugänglich ist. Der Kaser stammt aus dem 17. Jahrhundert und stand ursprünglich in der Nähe des Funtensees, wurde jedoch an der Bindalm für Besuchende wieder aufgebaut. Rundum heißt er wegen der damaligen Haltung der Kühe: Sie standen rund um den Kaser – eben „rundum“.
Am Almstand angekommen, bauen wir unsere Informationsmaterialien und interaktiven Angebote auf. Besonders schön finde ich ein Spiel, bei dem Besuchende den Tagesablauf einer Sennerin oder eines Senners anhand verschiedener Bilder auf kleinen Holztafeln nachstellen können. Vom Aufstehen bis zur Arbeit auf der Alm lässt sich so spielerisch nachvollziehen, wie ein Tag früher ausgesehen haben mag.
Kurz nachdem wir den Stand aufgebaut haben, fällt unser Blick auf eine Gruppe von vier Personen, die auf der Wiese auffällig hin und her springt. Aus der Ferne wirkt die Szene fast ein wenig komisch. Erst als wir näherkommen, erkennen wir den Grund für das ungewöhnliche Treiben: Forschende des Nationalparks sind auf der Suche nach Heuschrecken und kartieren die Fläche der Bindalm. Die extensiv genutzten Weideflächen sind wertvolle Lebensräume und beherbergen eine erstaunliche Vielfalt an Insekten.
So vergeht der Vormittag mit Gesprächen, Begegnungen und kleinen Geschichten am Stand. Als wir schließlich wieder zusammenpacken, ist der Tag aber noch lange nicht vorbei. Sabrina lädt uns spontan ein, am Klausbachhaus beim Tagfalter-Monitoring mitzumachen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen.
Die Abfahrt ins Tal fühlt sich nach dem langen Anstieg fast wie ein kleines Geschenk an. Der Fahrtwind, die Berge und die Leichtigkeit des Hinunterfahrens machen den Weg zu einem Vergnügen. Am Klausbachhaus angekommen, geht es direkt mit Kescher, Fangglas und Bestimmungsbuch hinaus zum Tagfalter-Monitoring.
Es ist faszinierend, wie viele verschiedene Schmetterlingsarten auf diesem kleinen Stück Nationalpark unterwegs sind. Besonders die Bläulinge stellen uns vor eine Herausforderung. Was aus der Ferne wie ein kleiner blauer Schmetterling aussieht, wird bei genauerem Hinsehen plötzlich zu einer Welt aus feinen Unterschieden. Also fangen wir die Tiere vorsichtig ein, betrachten sie unter dem Glas und versuchen, sie sicher zu bestimmen, bevor wir sie wieder in die Freiheit entlassen.
Am Ende des Tages verabschiede ich mich von Eva und Sabrina und mache mich erfüllt von den vielen Eindrücken auf den Weg zurück in die WG. Die Sonne steht noch warm über den Bergen, und eigentlich könnte man diesen Sommertag kaum schöner beenden. Doch weil der Hintersee praktischerweise auf meinem Rückweg liegt, darf natürlich ein obligatorischer Sprung ins Wasser nicht fehlen. Nach einem Tag zwischen Alm, Schmetterlingen und Heuschrecken fühlt sich das kalte Wasser des Hintersees schließlich wie der perfekte Schlusspunkt an.
Vincent Zeile
Umweltpraktikant 2026
Ort
Nationalpark Berchtesgaden