Vielseitige Arbeitstage

Steiniges Bachbett mit klaren Wasser und in der Mitte ein Feuersalamander Larve.

Ich bin von Mai bis Ende Juli Praktikantin im Bereich Umweltbildung im Nationalpark Kellerwald-Edersee.

In den Räumen der Wildnis-Schule haben meine beiden Mitpraktikanten und ich die Möglichkeit, uns auf Führungen sowie andere Bildungsprogramme vorzubereiten, zusammen zu kommen und uns auszutauschen. Dabei unterstützen uns Ranger*innen der Umweltbildung.

Für diesen Tag, an dem ich dich mitnehmen möchte, steht jedoch kein Bildungsprogramm in meinem Kalender. Treffpunkt und Arbeitsstart ist nicht wie gewohnt um 7 Uhr in den Gemeinschaftsbüros der Wildnis-Schule, sondern das Nationalparkamt in Bad Wildungen. Heute darf ich nämlich einen Ranger des Teams Umweltbildung beim Monitoring begleiten. Monitoring ist das spezifische Daten erfassen unter systematischen Vorgaben für Forschungszwecke. Es wird beobachtet und überprüft, wie die Entwicklung von X läuft. Im Fokus unseres Monitorings stehen Feuersalamander-Larven.

Feuersalamander-Weibchen gebären im Frühjahr Larven in die Gewässer. In strömungsarmen Wasserbecken des Bachs, sogenannten Kolken, verbringen sie ihre ersten Lebensmonate. Nach Abschluss ihrer Metamorphose, also ihrer fertigen Umwandlung, sind sie vom Wasserbewohner zum feuchtigkeitsliebenden Landbewohner entwickelt.

Das Monitoring ist Teil eines Artenschutzprojektes zur Überwachung der Population des hessischen Feuersalamanders. Unsere Aufgabe an diesem Tag ist es, feste Standorte aufzusuchen und die Anzahl der dort für uns auffindbaren Feuersalamander-Larven festzuhalten sowie das Gewässerumfeld und den Gewässerzustand zu untersuchen.

Einzelne, fest ausgewählte Bachläufe im Gebiet des Nationalparks werden jährlich wiederkehrend an denselben Teilbereichen von Ranger*innen auf vorgegebene Faktoren kontrolliert. Nach einem einheitlichen und vorgeschriebenen Ablauf gehen wir mit Taschenlampen dieselben Bachabschnitte der Vorjahre ab und zählen im Zeitraum von 15 Minuten die Anzahl der für uns sichtbaren Larven. Durch einen Erfassungsbogen der Justus-Liebig-Universität Gießen protokollieren wir Informationen zu Luft- sowie Wassertemperatur, der ungefähren Kolkanzahl, der Gewässerbreite und Fließgeschwindigkeit.

Weitere wesentliche von uns zu erhebende Angaben sind die Bacheigenschaften. Wir begutachten, ob ein Bachabschnitt steinig, sandig, todholzreich, schattig oder sonnig ist und erfassen die abgelaufene Bachstrecke in Metern sowie den Zeitpunkt unseres Monitorings. Unsere Datenerfassung ist eine Momentaufnahme, dennoch unterstützen die über Jahre gesammelten Daten des Monitorings die darauffolgende Forschung. Dazu zählen Erkenntnisse und Rückschlüsse über Zusammenhänge sowie Einflussfaktoren und Prognosen über das Entwicklungsbild des Salamanders zu treffen.

Mir ist an diesem Julitag aufgefallen, dass in den von uns untersuchten Bächen, deutlich weniger Feuersalamander-Larven als im Vorjahr gefunden wurden. Das könnte bestenfalls daran liegen, dass wir einzelne Larven nicht entdeckt oder die Larven bereits ihre Umwandlung abgeschlossen haben.

Feuersalamander sind jedoch durch „Bsal“, eine eingeschleppte Pilzart aus Asien gefährdet, welche sich über Sporen, beispielsweise an Schuhsolen, verbreitet und die Haut des Salamanders befällt, wodurch er erstickt und zwangsläufig stirbt. „Bsal“ wurde auch im Nationalpark Kellerwald-Edersee nachgewiesen. Neben der immer früheren Austrocknung von Bachläufen, einhergehend mit dem Verlust des Lebensraums der Larven, bildet „Bsal“ eine zusätzliche existenzielle Gefahr und einen Faktor für die Verringerung der Bestände. Die Gründe warum wir an diesem einen Tag weniger Feuersalamander Larven auffinden konnten, sind also vielfältig. Für ein aussagekräftiges, fundiertes Ergebnis müssen wir auf die Forschungsresultate warten und regelmäßig monitoren.

Über jeden einzelnen Feuersalamander-Larven-Fund freue ich mich sehr. Es war wiederholt für mich ein sehr informativer Arbeitseinsatz im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee.

 

 

Maya Henn

Umweltpraktikantin 2026

Ort

Nationalpark Kellerwald-Edersee