Regen, Rätsel und Ranger
Im Rahmen eines Schulklassenangebots habe ich gemeinsam mit zwei Rangern und weiteren Praktis zwei dritte Klassen betreut. Angemeldet waren etwa 40 Kinder, die sich einen Tag im Nationalpark gewünscht hatten.
Diesem Wunsch kamen wir sehr gerne nach. Im Vorfeld haben wir uns beraten, wie wir den Tag für die Kinder abwechslungsreich gestalten können.
Der Tag begann um 8 Uhr am Nationalparkamt, von wo aus wir gemeinsam mit den Rangerfahrzeugen zum Nationalparktor am Erbeskopf fuhren. Dort sollte unser Programm starten. Kurze Zeit später trudelte bereits der gefüllte Schulbus ein. Nach Austausch mit den Lehrkräften, einer kurzen Stärkung, Klogängen und Co., waren alle bereit zum Loswandern. In der Zwischenzeit aufgezogene Wolken entschlossen sich, sich in diesem Moment über uns zu entladen. Da nicht alle Kinder ausreichend wetterfest gekleidet waren, musste das Programm spontan angepasst werden. Zum Glück befanden wir uns noch am Hunsrückhaus, worin sich eine schön aufbereitete Ausstellung über den Nationalpark befindet und zu der wir ein passendes Quiz haben. Mit Quiz und Klemmbrett ausgestattet, besuchten wir kurzerhand die Ausstellung und verlagerten die Wanderung nach hinten. Nach anfänglichem Gewusel fanden die Kinder an den interaktiven und lichtgedämmten Stationen auf der Suche nach dem Lösungswort allmählich zur Ruhe.
Die Ausstellung bietet zahlreiche interessante Informationen über die Waldentwicklung und die Besonderheiten des Hunsrücks und ist auch für reguläre Besucher kostenlos zugänglich. Da nicht alle Teilfragen so einfach zu beantworten waren, standen wir den Kindern zur Seite und gaben Hinweise, wo sich welche Informationen versteckten. Bei der Nachbesprechung in großer Runde wurde schnell klar: Die meisten Gruppen haben das Lösungswort gefunden.
Das Wetter hatte sich stabilisiert und dem Besuch des echten Waldes stand nun nichts mehr im Wege. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. Ich begleitete einen Ranger, der einige der waldpädagogischen Spiele noch nicht kannte, sodass wir uns während der Tour gut ergänzten. Da ich bereits im ersten Monat meines Praktikums viele Erfahrungen sammeln und einige Methoden in anderen Veranstaltungen erproben konnte, durfte ich die Führung aktiv mitgestalten.
Beide Gruppen folgten der neu angelegten Vielfaltstour, begannen den Rundweg jedoch in entgegengesetzter Richtung. Der Weg führte uns vorbei an einem Stück Wirtschaftswald, hinein in Fichtenflächen des Nationalparks, vorbei an einer durch Borkenkäferkalamität betroffenen Fläche, über den Steg durchs Moor, bergauf Richtung Erbeskopf und entlang alter Buchenbestände. Zwischendurch hielten wir immer wieder an, um Spiele durchzuführen oder auf am Wegesrand wachsende Arten, wie Fichte, Buche, Adlerfarn oder Heidelbeere einzugehen. Im Moorabschnitt beobachteten wir typische Zeigerarten wie Wollgras und Torfmoos. Während einer Essenspause auf einem Waldweg genossen wir den Ausblick. Weiter ging es zur Totholzstation, wo wir befestigte Tiermodelle sahen, die typische Profiteure von Totholz darstellen, wie den Schwarzspecht oder die Hohltaube. Auf halbem Weg begegneten wir der anderen Gruppe und die Kinder klatschten sich ab. Das motivierte auch für die letzte Strecke bergauf.
Die nebenbei durchgeführten Spiele dienten als Wahrnehmungsübungen und als Aufhänger für unsere Kernthemen. So regte das Mischwaldspiel dazu an, das Fichtensterben sowie den Wert eines artenreichen Waldes zu verstehen. Das Anschleichspiel machte deutlich, wie leise sich die Wildkatze im Wald wohl verhalten muss, um ihre Beute fangen zu können. Gegen Ende der Tour spielten wir zusätzlich „Kamera und Fotograf“ sowie ein Quiz nach dem Prinzip „1, 2 oder 3“ zum Thema Biber. Da die Klasse dieses Thema bereits im Unterricht behandelt hatte, freuten sich sowohl die Kinder als auch die Lehrerin, dass die meisten immer richtig standen. Nach einem gemeinsamen Abschluss am Ausgangspunkt der Runde verabschiedeten wir die Klassen und ließen die Kinder gegen 14 Uhr auf den Spielplatz los.
Während der anschließenden Pause mit den Rangern und Praktikant*innen, trafen wir im Hunsrückhaus auf den Nationalparkleiter, der an diesem Tag in eine Radfahr-Spendenaktion eingebunden war, deren Route teilweise durch den Nationalpark führte. Danach fuhren wir zurück zum Amt am ehemaligen Bunker Erwin. Den restlichen Praktikumstag verbrachten wir im Büro und arbeiteten an unseren Projekten weiter. An diesem Tag bemalte ich ein großes Holzschild zu Ende, welches unser Logo, die Keltenkatze, darstellt und das in den Flur des Gebäudes kommen soll. Das Symbol stellt eine Verbindung zwischen dem keltischen Erbe der Region und der Wildkatze her, für die der Hunsrück-Hochwald einen Hotspot darstellt.
Marie Werner
Umweltpraktikantin 2026
Ort
Nationalpark Hunsrück-Hochwald