Nationalpark für Alle
Der Tag beginnt deutlich früher als sonst. Um 6 Uhr morgens machen sich mein Mitbewohner, FÖJler Hendrick und ich mit dem vollgepackten blauen VW-Dienst-Bulli auf den Weg. Wir fahren von unserer WG in Neuschönau im südlichen, älteren Teil des ersten Nationalparks Deutschlands in den jüngeren, nördlichen Teil. Dafür kann man gut und gerne mal 45 Minuten einplanen.
Angekommen am Nationalparkzentrum Falkenstein, begegnet uns schon unser Praktikumsbetreuer Martin gemeinsam mit ein paar Waldführer*innen. Diese absolvieren eine mehrtägige Ausbildung, um anschließend die Bildungsprogramme und Veranstaltungen des Nationalparks ehrenamtlich zu unterstützen. So auch heute, denn einmal im Jahr findet traditionell der der Aktionstag „Nationalpark für Alle“ statt.
Uns erwarten knapp 200 Menschen mit Behinderung und 80 betreuende Personen, die in Kleingruppen, von den Waldführer*innen angeleitet, verschiedene Umweltbildungsstationen absolvieren. Vom Kennenlernen der Trittsiegel Tiere, über Erklärungen, warum Aas in der Landschaft wichtig ist, bis hin zu Riech- und Fühlstationen, ist alles dabei. Seit meinem Praktikumsbeginn Anfang Juli, organisiere und bereite ich diesen Tag mit vor, mit dem Ziel, die Inhalte barrierearm und für unterschiedlichste Altersklassen und Behinderungen gerecht zu gestalten.
Gestern haben wir bereits den Großteil aufgebaut, starten heute aber früh, um rechtzeitig zur Ankunft der Gruppen alle Stationen mit Material bestückt zu haben. Es wird ein heißer Juli-Tag werden, daher stellen wir auch etliche Schirme und Pavillons auf. Mein Job ist es, die freiwilligen Helfer*innen zu koordinieren und den Überblick zu behalten, was noch zu tun ist.
Mittlerweile ist der Aktionstag in vollem Gange. Die Gruppen wandern mit ihren Waldführer*innen von Station zu Station und es scheint alles recht glatt zu laufen. Ich habe ein bisschen Zeit zum Durchatmen und mache einen Rundgang, um zu sehen, wo noch Unterstützung oder etwas anderes benötigt wird. Dabei begegne ich immer wieder freudestrahlenden Gesichtern und bin beeindruckt, wie aufmerksam die Teilnehmenden sind.
An der Station zum Naturdruck hat Ranger Lukas alle Hände voll zu tun, den Teilnehmer*innen dabei zu assistieren, Wasserfarbe auf Blätter, Flechten und Rinde zu tupfen und anschließend auf schön gefaltete Papierkarten zu pressen. Da alles andere gut läuft, beschließe ich, hier auszuhelfen. Es macht Spaß, endlich in direkterem Kontakt mit den Leuten zu sein. Ich merke jetzt erst, wofür ich die Organisationsarbeit den letzten Monat gemacht habe – uns war es das größte Anliegen, den Teilnehmenden gerecht zu werden und das scheinen wir geschafft zu haben. Die Kids und Erwachsenen erzählen von ihren Erlebnissen des Tages, sind stolz und freuen sich, etwas Schönes, Selbstgemachtes mit nach Hause zu nehmen.
Um 12 Uhr gibt’s für alle etwas zu essen und offizielle Grußworte der Nationalparkleitung und des Landrats. Nachdem auch das Gruppenfoto mit knapp 300 Leuten im Kasten ist, machen sich die Gäste wieder Stück für Stück auf den Weg zurück. Für uns heißt das, alles wieder einpacken. Abgebaut ist im nu, weil noch so viele helfende Hände da sind.
Abschließend gibt’s noch eine Feedbackrunde, um herauszufinden, was beibehalten werden sollte und was Verbesserung bedarf. So langsam merke ich, wie die Anspannung von mir abfällt.
Bevor es wieder zurück geht, lädt uns Martin als Belohnung für den gelungen Tag noch auf ein Eis ein – denn das darf bei ihm nicht fehlen. Die nächsten Tage steht auspacken, nachbereiten und Material wieder aufräumen an. Dazu die Vorbereitung der nächsten Großveranstaltung gleich dieses Wochenende - das Schachtenhausfest.
Mal sehen, ob auch alles so glatt läuft. Ich freue mich schon!
Mona Range
Umweltpraktikantin 2026
Ort
Nationalpark Bayerischer Wald