Messen, Kartieren und Molche zählen
Mein Morgen begann wie gewohnt in der Verwaltungsstelle in Hilders. Zuerst habe ich meine E-Mails gecheckt und einen Blick in den digitalen Teamkalender geworfen, um zu schauen welche Termine und Aktionen heute interessant sein könnten.
Nach kurzer Absprache ging es auch schon direkt ins Gelände: Ich durfte zusammen mit einem der Ranger zur Quellenkartierung aufbrechen.
In der gesamten Rhön, welche sich über Teile von Thüringen, Bayern und Hessen erstreckt, gibt es rund 5.000 Quellen. Mein Umweltpraktikum findet im hessischen Teil statt und da streng auf Zuständigkeitsbereiche geachtet wird, haben wir uns auch nur auf Quellen in diesem Teil der Rhön konzentriert.
Das Prozedere ist sehr interessant: Zuerst liest man die Messwerte von sogenannten Loggern aus, das sind winzige, wetterfeste Messgeräte, die direkt in der Quelle sowie im unmittelbaren Umfeld platziert sind und dort dauerhaft die Temperatur aufzeichnen. Dadurch lässt sich der Temperaturverlauf über ein ganzes Jahr lückenlos dokumentieren, was wichtige Daten für die Auswertung im Kontext des Klimawandels liefert. Zusätzlich haben wir an jeder Quelle noch manuell die Fließgeschwindigkeit und die elektrische Leitfähigkeit gemessen und dokumentiert. Nach der dritten Quelle war die Kartierung für heute abgeschlossen.
Gegen Mittag fuhren wir zurück zur Dienststelle nach Hilders. Nach einer kurzen, wohlverdienten Mittagspause stand die monatliche Ranger-Besprechung an. Alle sieben Ranger der hessischen Rhön kamen zusammen, um aktuelle Projekte zu besprechen und anstehende Termine zu koordinieren. Es war spannend zu sehen, wie das Team arbeitet und wie engmaschig der Naturschutz hier organisiert ist.
Der Nachmittag drehte sich um Artenschutz an Fließ- und Stillgewässern. Gemeinsam mit einem Ranger fuhr ich erneut raus ins Gelände, um an mehreren Teichen den Tierbestand zu überprüfen. Unser Hauptaugenmerk lag auf drei geschützten bzw. gefährdeten Zielarten: dem Kammmolch, der Karausche (auch Schusterkarpfen genannt) und dem Deutschen Edelkrebs. Die Teiche wurden von uns „bereust“, was bedeutet, dass kleine Lebendfallen im Wasser platziert und nach ein bis zwei Tagen Standzeit kontrolliert werden.
Kleiner Spoiler: Den seltenen Kammmolch haben wir leider nicht verzeichnen können. Enttäuscht mussten wir aber nicht sein, denn wir konnten stattdessen ca. 80 Teich- und Bergmolche zählen. Auch bei den Fischen und Kröten gab es Erfolgserlebnisse. Wir konnten mehrere Karauschen, einige Stichlinge und Erdkröten feststellen. Krebse konnten wir in den überprüften Gewässern leider ebenfalls nicht nachweisen. Hoffentlich haben wir da beim nächsten Mal mehr Glück.
Nachdem jedes einzelne Tier bestimmt und dokumentiert war, haben wir alle unversehrt wieder in ihre jeweiligen Gewässer entlassen. Als alle Reusen kontrolliert und wieder verstaut waren, haben wir die Rückfahrt nach Hilders angetreten. Somit geht ein lehrreicher Tag im praktischen Naturschutz zu Ende.
Lilly-Merle Burkard
Umweltpraktikantin 2026
Ort
Biosphärenreservat Rhön