Eine abenteuerliche Reise zur Vogelschutzinsel
Hier auf Neuwerk ist der Verein Jordsand tätig, welcher sich dem Schutz der Küstenvögel widmet. Unter anderem gehören hier die zweiwöchentlichen Wasser- und Wattvogelzählungen (WWZ) zu unseren Aufgaben. Neben Neuwerk liegen die Vogelschutzinseln Scharhörn und Niegehörn. Die beiden Inseln sind durch eine große Salzwiese miteinander verbunden.
Auf Scharhörn lebt immer ein Vogelwart oder eine Vogelwärterin, sonst sind die beiden Inseln aber völlig unbewohnt und der Natur überlassen. Auch auf diesen beiden Inseln wird alle zwei Wochen die WWZ durchgeführt und eine Person von uns hier auf Neuwerk geht rüber um bei der Zählung zu unterstützen. Heute war ich an der Reihe!
Scharhörn erreicht man zu Fuß, indem man 7 Kilometer durchs Watt läuft. Das klang für mich erstmal nach einer unmöglichen Aufgabe, denn ich bin diesen Weg zuvor noch nie gelaufen, geschweige denn war ich schon einmal so weit draußen im Watt. Daher war das Ganze eine kleine abenteuerliche Reise für mich!
Am frühen Morgen habe ich noch die letzten Sachen in meinen Rucksack gepackt, das GPS-Gerät sowie den Kompass eingesteckt und mir dann meine Wattschuhe angezogen. Ich war etwas im Stress, da ich nur ein gewisses Zeitfenster hatte und ich nicht einschätzen konnte, wie lange ich wirklich für diese Strecke brauche. Man läuft immer zwei Stunden vor Niedrigwasser (NW) los und sollte spätestens zum NW wieder aus dem Watt raus sein. Ab da an ist wieder auflaufendes Wasser.
Direkt am Anfang ging es durch einen Priel, der am frühen Morgen noch sehr eisig kalt war. Das Wasser reichte mir bis zu den Knien, aber ich habe Glück, denn das Wasser ist dort oftmals hüfttief. Aus dem Priel heraus, ging es auf die große weite Wattfläche und ohne zu wissen was auf mich zu kommt, bin ich losgelaufen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mich umgedreht, Neuwerk schien aber nur wenige Meter entfernt, mein Ziel hingegen war nur klein am Horizont zu erkennen. Um mich herum war weit und breit nur eine riesige Wattfläche, die kein Ende zu haben schien. Nur ich, die Muscheln und der laute Wind der fast wie Meeresrauschen klang.
Plötzlich bin ich bis über die Knöchel tief in den Wattboden eingesunken und steckengeblieben! Beim Versuch meine Füße rauszuziehen habe ich bei jedem Schritt meine Wattschuhe verloren. Ab da geriet ich etwas in Panik, da ich kaum vorwärtskam und die Befürchtung hatte, dass ich zu viel Zeit verliere und es nicht mehr rechtzeitig rüber schaffe…
Nach gefühlten Stunden wurde der Wattboden wieder etwas fester und ich konnte wieder einigermaßen normal laufen. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich noch gut in der Zeit lag, aber da ich keine Ahnung hatte wo ich mich befinde und wie lange ich noch brauche, hat mich dies nicht wirklich beruhigt…
Aber ich bemerkte, dass sich langsam die Landschaft um mich herum veränderte. Immer wieder durchquerte ich ein paar kleine Priele, die kahle Wattfläche wurde immer grüner und die beiden Inseln schienen zum Greifen nah. Nach und nach wurde meine Umgebung lebendiger. Vögel, die im Watt und den anfänglichen Salzwiesen umherliefen, zwischen dem Rauschen des Windes war das Geschrei von vielen Möwen zu hören und am Horizont erschienen immer wieder größere Vogelschwärme. Ich habe mich gefühlt als hätte ich eine andere Welt betreten!
Der Vogelwart hat mich direkt am Strand empfangen und mich zur Unterkunft begleitet. Angekommen haben wir unsere Ausrüstung zusammengepackt und uns kurz darauf auf den Weg nach Niegehörn gemacht. Wir durchquerten einige hüfttiefe Priele, die teilweise abrupt tief wurden. Mit unserer schweren Ausrüstung mussten wir uns gegenseitig aus den Prielen heraushelfen und waren sehr bemüht, mit den teuren Spektiven nicht genau in diesen Momenten auszurutschen!
Zwischenzeitlich habe ich unsere eigentliche Aufgabe etwas aus den Augen verloren, da ich so beeindruckt von der Natur war. Um uns herum war alles pink, denn die Salzwiese war in ihrer vollen Blühte!
Für unseren ersten Zählpunkt mussten wir auf einen Aussichtsturm klettern. Oben angekommen konnte man einmal über die ganze Insel schauen. Überall, wo man hingesehen hat, waren tausende Vögel, die am Strand umherliefen oder über uns und rundherum in riesigen Vogelschwärmen umherflogen! Noch nie habe ich so etwas gesehen!
Am Abend war ich total überwältigt von diesen vielen Eindrücken. Wir haben uns draußen hingesetzt, beim Sonnenuntergang abendgegessen und zwischen den ganzen Vögeln den Abend ausklingen lassen.
Lea Zimmermann
Umweltpraktikantin 2026
Ort
Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer