Ein voller Tag im Bliesgau mit einer guten Nachricht
Ich mache mich heute sehr früh auf den Weg zur Arbeit, um Anita, die Naturschutzbeauftragte, zu begleiten. Erst seit ein paar Wochen fahre ich den Weg mit dem Fahrrad zu meiner neuen Arbeitsstelle, der Geschäftsstelle des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau. Heute soll endlich eine Abkühlung von der anhaltenden Hitze kommen.
Aber bevor die Becken der Gelbbauchunken wieder komplett ausgetrocknet sind, müssen wir vorsichtshalber rausfahren und Wasser nachfüllen. Außerdem sollen die Zähler im Orchideengebiet ausgelesen werden. Die Zähler erfassen, wie viele Menschen auf den Wanderwegen unterwegs sind.
Im Büro hat Anita schon alles zusammengesucht was wir draußen im Feld brauchen: Diensthandy, um die Zähler auszulesen, Schlüssel und Magnet. Los geht´s nach Gersheim.
Anita erzählt mir, dass die Wiesen im Orchideengebiet schon weniger bunt sind, als im Vergleich zum Frühjahr. Aber einige Reste der verblühten Pflanzen kann man noch erkennen. Wir laufen den Pfad entlang und halten Ausschau nach Esparsetten und allem was fliegt. Den ersten Zähler hätte ich gar nicht gesehen, versteckt im Gebüsch und in Tarnfarbe. Noch zwei weitere lesen wir aus und speichern die Zahlen der Besucher*innen. Beim letzten Zähler werden wir stutzig. „7000?“, das kann nicht sein! Wahrscheinlich sind die Bewegungen der Äste ebenfalls mitgezählt worden. Wir schneiden den Zähler ein bisschen frei und gehen weiter. Ich bin beeindruckt von der Weite der Landschaft und den vielen Hügeln und grünen Wäldern.
Der letzte Stopp sind die Wasserbecken der Gelbbauchunken. In mehreren Becken in einem alten Kalkbergwerk fühlen sich die Unken besonders wohl. Einige Becken sind nach den anhaltenden Temperaturen über 30 Grad schon wieder fast ausgetrocknet. Schnell gießen wir Wasser nach und beobachten noch ein bisschen, wie die kleinen Unken am Wasserrand sitzen.
Zurück im Büro ist nun mehr Trubel. Steffi, zuständig für die Bildungsarbeit und meine Betreuung, führt gerade ein Telefonat. „Kira, wir haben die Zusage für die Käsesticks!“, verkündet sie mir kurz später. Puh, das ist noch mal gut gegangen und die diesjährige Bio-Brotbox-Aktion wird nicht ohne Käsesticks stattfinden. Der langjährige Lieferant hatte uns vor zwei Wochen eine Absage erteilt und wir mussten uns eine Alternative überlegen. Nach kurzer Recherche war klar, entweder dieser eine Hof wird es, oder wir müssen dieses Jahr auf die Käsesticks verzichten.
Etwas beruhigter setze ich mich an meine Mails und Vorbereitungen für das Biosphärenfest. Die Banner für die Bewerbung an den Straßen sind nun auch fertig und können abgeholt werden. Kurz rübergefahren, eingeladen, ausgeladen und schnell aus der Sonne raus. Aber nur für kurze Zeit, denn die Rollups und das Infomaterial für den heutigen Vortrag müssen ins Auto geladen werden. Rollups zusammengepackt, den Laptop und den Beamer noch aus dem Sekretariat geholt und wieder zurück ins Auto.
Die letzte Station für diesen Tag ist eine Infoveranstaltung in Hanweiler. Der Obst- und Gartenbauverein hat die Dorfgemeinschaft eingeladen, sich zu informieren. Am Ort selber treffen Steffi und ich auf Michael, einer der Ranger aus dem Gebiet. Er wird Steffi bei dem Vortrag unterstützen. Gemütlich sieht es aus, wie die Leute sich vorab für Kaffee und Kuchen verabredet haben. Wir stärken uns ebenfalls kurz, bevor es in dem viel zu warmen Pavillon mit dem Vortrag losgeht.
Steffi und Michael geben eine Einführung in die Begrifflichkeiten Biosphäre, die Natur, mit verschiedenen Tierarten und die Arbeit des Zweckverbandes. Auch für mich ist es noch mal spannend ein paar Einblicke zu bekommen, ist der Bliesgau mit seinen Strukturen noch neu und unbekannt. Mit dem ersten Blitz und dem androhenden Gewitter wird es zum Ende des Vortrags etwas ungemütlich. Wir bemühen uns einen runden Abschluss zu finden und harren im Zelt etwas aus, bevor wir das Auto wieder beladen.
Auf dem Heimweg zurück nach Blieskastel genieße ich die Fahrt über die Felder. Endlich kommt frische, kühle Luft durch die Fenster und dieser volle Tag endet mit der versprochenen Abkühlung.
Kira Gatzemeier
Umweltpraktikantin 2026
Ort
Biosphärenreservat Bliesgau