Ein Tag im Tierfreigelände
Der Morgen beginnt für meinen Geschmack immer etwas zu früh. Um viertel vor acht sind wir am Auto verabredet, um kurz vor acht bin ich mit meinem Frühstück in der Hand da. Auf der Fahrt zum Jugendwaldheim geht es über die Nationalparkstraße, von der aus man wunderbar die schöne Natur des Bayerischen Waldes beobachten kann. Am Jugendwaldheim angekommen, wird das Auto mit Strom gefüttert, dann geht es hoch ins Büro.
Vorbei am Speisesaal, aus dem einem am Morgen bereits einige der Kinder munter zuwinken. Bevor der Tag richtig startet, bleibt meistens noch etwas Zeit, um allen Menschen im Büro Hallo zu sagen und, um sie über die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Tages aufzuklären Dann checke ich kurz meine Mails und bereite die wichtigsten Dinge für den anstehenden Tag vor.
An einem Dienstag geht es, wie so oft, mit den Schulklassen ins Tierfreigelände und auf den Baumwipfelpfad. Ich nehme immer ein paar Dinge mit, die ich den Kindern zeigen kann, falls wir keine Tiere sehen. Die Gehege der Tiere sind so groß, dass es nicht selten vorkommt, dass sie sich verstecken. Den Luchs beispielsweise habe ich in drei Monaten kein einziges Mal gesehen, obwohl ich so gut wie jeden Dienstag im Tierfreigelände unterwegs war.
Danach mache ich mich auf den Weg zum Bus. Der wird meistens extra für die Klassen bestellt, und die Kinder freuen sich immer sehr, wenn wir als Waldführer mit ihnen im Bus fahren. Beim Tierfreigelände angekommen, wird wie immer erst einmal durchgezählt: Sind alle Kinder der Gruppen dabei? Meine Gruppe sind meistens die Eichhörnchen, denn Eichhörnchen sind meine absoluten Lieblingstiere.
Dann kann es losgehen. Je nach Gruppe machen wir die Runde etwas länger oder kürzer. Sehen wir etwas Spannendes, nehme ich mir gerne Zeit. Solange den Kindern nicht langweilig ist, lasse ich sie immer gerne an den Tieren sattsehen. Besonders freuen sich die Kinder meistens, wen sie die Bären oder die Wölfe entdecken. Nach einer Weile werden die Kinder meistens etwas müde. Dann suchen wir uns einen schönen Platz für eine kleine Frühstückspause. Anschließend geht es weiter. Je nachdem wie motiviert die Gruppe ist, geht es noch mitten durch das Wildschweingehege, in denen sich zu dieser Zeit noch viele kleine Frischlinge tummeln.
Was ich am meisten liebe, ist, den Kindern Raum für ihre Fragen zu geben. Besonders im Tierfreigelände hat man beim Spazieren viel Zeit. Dabei lerne ich die Kinder meistens ziemlich schnell kennen. Sie erzählen mir von ihren Lieblingstieren, ihren eigenen Erfahrungen und Interessen. Besonders freue ich mich über diese Momente, in denen eine Gruppe plötzlich anfängt, von selbst Fragen zu stellen und neugierig zu werden. Wenn ich dann merke, dass meine eigene Begeisterung für die Natur auf sie überspringt und sie anfangen, die Natur mit ähnlicher Neugier zu betrachten, ist das für mich jedes Mal etwas Besonderes.
Gegen Mittag sind wir dann nach einigen Kilometern Fußweg wieder zurück beim Startpunkt. Nach ausgiebiger Mittagspause geht es dann noch hochhinaus auf den Baumwipfelpfad. Vom Baumei aus hat man einen wunderschönen Ausblick über den gesamten Nationalpark. Wenn noch Zeit ist, geht’s danach noch ins Hans-Eisenmann-Haus. Dort können die Kinder in der Waldwerkstatt oder bei einem kleinen Film im Kino noch einiges über die Natur des Bayerischen Wald lernen. Anschließend geht es für die Kinder wieder zurück ins Jugendwaldheim und für mich und die FÖJler zurück nach Hause.
Janne Ohrt
Umweltpraktikantin 2026
Ort
Nationalpark Bayerischer Wald