Ein Tag Hallig-Austausch

Zu sehen sind Warften (Feld) mit blauen Himmel und einzelne Bäume im Hintergrund.

Moin!
Der Tag beginnt gemeinsam mit der steigenden Flut: Ein Sprung in die Nordsee und ich bin da. Raus aus den Träumen und drauf auf der Hallig mit ihren endlosen Salzwiesen und dem blauen Himmel an dem sich die Wolkenberge türmen.
Müsli und Kaffee vor dem Häuschen und ich bin bereit in den Tag zu starten.

Ich schwinge mich auf das Rad, um den Ranger hinter dem Deich zu treffen. Auf dem Weg in Richtung Festland, grüßen mich wie jeden Morgen die alteingesessenen Bewohner der Salzwiesen auf ihre typische Art: Austernfischer und Rotschenkel pfeifen munter, Lachmöwen kichern mir entgegen und Schafe blöken. Unter Nachbarn grüßt man sich nun mal! 

Am Deich angekommen, geht es nach einem kleinen Schnack, mit Auto und Fähre, weiter in Richtung Hallig Hooge. Auf der Überfahrt bekomme ich ein Briefing über die anstehenden Aufgaben. Jede Minute zählt, denn schließlich ist auch unsere Rückfahrt von den Gezeiten abhängig. 
Und trotzdem dürfen Erklärungen über das Verhalten und Aussehen von Fluss- und Küstenseeschwalben nicht fehlen. Denn das ist die Aufgabe des heutigen Tages: Kolonien der beiden beeindruckenden Vogelarten auf Bruterfolge zu überprüfen.

Auf der Hallig angekommen, zieht mich die farbliche Vielfalt der Salzwiesen in ihren Bann. Während wir auf rustikalen Leihrädern über die Insel fahren, beeindrucken mich die weißen, gelben, blauen und violetten Tupfer aus rotem Zahntrost, Strandkamille, Hornklee, Strand-Beifuß und vielen anderen, welche die weiten Fennen der Hallig übersäen. 

An der ersten Kolonie angekommen, beginnen wir mit dem Brutmonitoring. Nester werden kontrolliert und Eier und Jungvögel erfasst und vermessen. Es ist faszinierend wie gut sich die kleinen, gepunkteten Jungvögel zwischen den Kräutern am Boden verstecken können. Jeder Schritt durch das Brutgebiet wird daher vorsichtiger als der vorherige. 

Nach getaner Arbeit, verlassen wir die Kolonie, sodass die schimpfenden Eltern zurück zu ihren unversehrten Jungen können. Nach erfolgter Kontrolle aller Kolonien, ist das Monitoring für diese Saison beendet. Und da bereits ein Großteil der Seeschwalben flügge ist und wir zügig mit der Arbeit fertig werden, können wir zum krönenden Abschluss noch einen Trauerschwan beobachten. Birdwatching wird im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer schließlich groß geschrieben. 

Der Weg zurück zur Fähre, stellt sich als das Highlight des Tages heraus: Unten die blühenden Salzwiesen, oben die jungen und alten Seeschwalben, hinter uns die Sonnenstrahlen und vor uns das wogende Wattenmeer.

Wir lassen den heutigen Arbeitseinsatz mit einem Abstecher zum benachbarten Koog ausklingen, wo wir mit Fernglas und Spektiv bewaffnet, die Vielfalt der rastenden Vögel bewundern. Nachdem wir uns von Löffler, Kiebitz und Co. verabschiedet haben, geht es mit dem Fahrrad zurück in Richtung Unterkunft.

Nachdem ich mich durch die steife Brise gekämpft habe, erreiche ich verschwitzt aber glücklich „meine" Hallig. Und so schön wie es heute morgen angefangen hat, wird es auch wieder beendet: Ein Sprung in die Wellen, gefolgt von einem Pfefferminztee mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Watt. 

Is schon schön hier im Norden!

Nicolas Ulbrich

Umweltpraktikant 2026

Ort

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer