Baumeister der Ökosysteme 

Ein ausgestopter Biber ist auf einem kleinen Podest mit abgenagtem Holz platziert.

Am 17.04. habe ich an einer Fortbildung im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen teilgenommen. Sie richtete sich an Kooperationspartner:innen der Junior Ranger – also Menschen, die selbst Umweltbildungsangebote umsetzen. Organisiert wurde sie von Nora Janowski, die das Junior-Ranger-Programm betreut.

Ziel war es, darauf vorzubereiten, den Biber als diesjähriges Wappentier sinnvoll in Programme einzubauen – also nicht nur Fakten kennen, sondern sie auch spannend vermitteln.

Der Vormittag startete direkt draußen am Isenachweiher, mitten im Pfälzerwald – eine ziemlich malerische Kulisse für den Einstieg und gleichzeitig ein guter erster Einblick in die Arbeit im Gelände. Geleitet wurde die Exkursion von Stefanie Fenske (GNOR e.V.) und Rasmus Denné (Biber-Management Saarland). Neben viel Input gab es auch Dinge zum Anfassen: ein ausgestopfter Biber, sein dichtes Fell, Kralle, Bibergeil (Sekret vom Biber) und Biberkot (der sieht tatsächlich ein bisschen aus wie Sägespäne). Spätestens da war klar: Das hier wird keine trockene Fortbildung.

Ein paar Fakten sind besonders hängen geblieben: Biber werden bis zu 20 kg schwer, haben extrem dichtes Fell und orangefarbene Zähne – dank eingelagerter Eisenverbindungen quasi ein eingebautes Werkzeug. Früher wurden sie wegen ihrem Fell stark bejagt und waren fast ausgerottet. Und weil ihre sogenannte Biberkelle einem schuppigen Schwanz ähnelt, wurden sie in der Fastenzeit tatsächlich mal als „Fisch“ durchgewunken.

Was den Biber aber wirklich besonders macht: Er gestaltet aktiv seinen Lebensraum. Durch das Fällen von Bäumen und das Aufstauen von Wasser entstehen neue Feuchtgebiete – Lebensräume, von denen viele andere Arten profitieren. Gleichzeitig wurde auch die weniger idyllische Seite angesprochen: überschwemmte Flächen, angenagte Bäume oder Konflikte mit der Nutzung durch den Menschen. Spannend war hier vor allem die Frage, wie man solche Gegensätze in der Umweltbildung ehrlich und ausgewogen vermittelt.

Bei der Spurensuche rund um den Weiher wurde es dann praktisch: Wir haben zahlreiche Fraßspuren entdeckt, gefällte Bäume, eine Biberrutsche und sogar zwei Biberburgen. Einen Damm gab es dort allerdings nicht. Den Biber selbst haben wir auch nicht gesehen – wenig überraschend, schließlich ist er nachtaktiv und hält sich tagsüber lieber bedeckt.

Am Nachmittag ging es ins Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim. Dort stand die praktische Umsetzung im Fokus. Ein „Biber-Rucksack“ mit verschiedenen Materialien wurde vorgestellt und gemeinsam diskutiert – vor allem mit Blick darauf, wie sich Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen greifbar machen lassen. Zum Abschluss haben wir einen Actionbound zum Thema Biber durchlaufen – ein bewusst gesetzter Kontrast zur Arbeit draußen und gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, wie digitale Methoden sinnvoll in die Umweltbildung eingebunden werden können.

Für mich war die Fortbildung eine gute Mischung aus Fachwissen und Praxis und ein hilfreicher Einstieg, um ein Gefühl für Methoden, Inhalte und Zielgruppen zu bekommen. Ich bin gespannt, wie sich die Ideen in den nächsten Wochen im eigenen Arbeiten wiederfinden – und wie der „Baumeister der Ökosysteme“ dann vielleicht auch bei den Junior Rangern ankommt.

Simon Galler-Flick

Umweltpraktikant 2026

Ort

Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen