Banane, Rakete oder doch Insekt?
Liebes Tagebuch,
heute ist eigentlich ein ganz normaler Tag, wie ich ihn in den letzten Wochen schon häufiger erlebt habe. Wie jeden Morgen bin ich um kurz vor sechs Uhr aufgestanden, habe mir die Zähne geputzt, mein Essen eingepackt und meine Wanderhose und Schuhe angezogen. Gemeinsam mit FÖJlerin Lydia mache ich mich anschließend auf den Weg zu meiner Einsatzstelle, dem Jugendwaldheim Steinmühle.
Auf dieser halbstündigen Radtour durch den östlichen Teil des Müritz Nationalparks trifft man wirklich häufig Wild - meist Damwild, manchmal aber auch Rehe, Hasen oder Kraniche. Dort angekommen wird erstmal mit dem Team des Jugendwaldheims gefrühstückt. Nachdem ich meine obligatorischen zwei Brötchen verspeist, wir wie jeden Morgen das Radio-Quiz „6 in 49“ gehört und vor dem Empfangsgerät mitquizzt haben, geht der Arbeitstag richtig los.
Erst gehe ich an meinen Computer im Büro, checke dort das Wetter für den heutigen Tag, sowie meine Mails, und packe danach die benötigten Materialien für die anstehende Wanderung mit einer vierten Klasse, die gerade auf Klassenfahrt im Jugendwaldheim zu Besuch ist, in einen Rucksack. Gemeinsam mit Hannes, einem Kollegen mache ich mich mit der Klasse auf den Weg in den Wald. Auf der gut zweistündigen Tour spielen wir Spiele mit so klangvollen Namen wie Blinde Raupe, Zapfenspiel, Geräuschelandkarte, Baum-Bauen oder auch Buchenbingo. Gerade gegen Ende der Wanderung merkt man, dass die Energie der Kinder nachlässt und so sind alle froh, wenn wir pünktlich zum Mittagessen wieder im Jugendwaldheim ankommen.
Nachmittags kümmere ich mich dann um das Keschern. Zunächst spielen wir ein paar Spiele, um den Kindern die Welt der Insekten etwas näher zu bringen. Ganz besonders lustig ist hierbei „das geheimnisvolle Tier“. Dabei wird eine kurze Geschichte über ein geheimnisvolles Tier vorgelesen, das im angrenzenden See lebt. Bei dem geheimnisvollen Tier, einem Insekt mit unter anderem zwei Fangbeinen, einer langen Atemröhre und angelegten Flügeln, handelt es sich um den Wasserskorpion. Die Kinder sollen dieses Tier anhand der gegebenen Beschreibung zeichnen. Wenn man es positiv formulieren möchte, kann man der Klasse eine hohe Kreativität bescheinigen. Denn viele der Zeichnungen haben mehr Ähnlichkeiten mit unförmigen Broten, Bananen mit Armen oder auch Raketen mit ungewöhnlichen Tragflächen als mit einem Wasserskorpion. Nun dürfen sich die Kinder mit Keschern auf die Suche nach dem geheimnisvollen Tier und anderen Seebewohnern machen. Anschließen werden die besonders kleinen gefangenen Tiere im Labor unter dem Binokular begutachtet. Während die Kinder vor allem Spaß daran haben, verschiedenste Tiere wie kleine Fische, Insektenlarven oder auch Frösche aus dem Wasser zu fischen, habe ich insbesondere Freude an der Bestimmung der gefangenen Exemplare. In Summe ist das dann wohl eine Win-Win-Situation für alle.
Abschließend endet der Arbeitstag für mich schon wieder und wir radeln durch den sonnendurchströmten Buchenwald zurück nach Hause.
Maik Lehmann
Umweltpraktikant 2026
Ort
Müritz-Nationalpark