Mit dem Fischkutter auf nach Spiekeroog

Blick auf eine Dünenlandschaft vor dem offenen Meer.

Der Tag beginnt mit einer heißen Tasse Kaffee in der Hand. Es ist zwar Mitte Juni und ganz Deutschland leidet unter der Hitze, aber hier an der Küste werden wir mit kühler Luft und rauem Wetter zu dieser Jahreszeit „verwöhnt“. Deshalb spüre ich auf dem Radweg entlang der größten Meeresbucht der Nordsee – dem Jadebusen – die Sonne durch die salzige Meeresbriese, welche mir entgegenweht, nur sehr mild auf der Haut.

Am UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum angekommen, geht es heute ausnahmsweise Mal nicht in die brandneue, spannende Ausstellung, sondern zur Bushaltestelle. Von dort aus geht es gleich in den Bus – mich erwartet eine aufgeweckte Horde Dritt- und Viertklässler:innen. Die Geräuschkulisse weckt mich mehr, als der Kaffee es heute Morgen getan hat. Aber das ist auch gut so, denn vor mir liegt ein Tag voller Abenteuer. Mit mir eingestiegen sind Monika Wahsner und Roger Staves. Beide sind schon lange Teil des Besucherzentrums und können durch ihre langjährige Arbeit hier nahezu jede Frage zum Thema Watt, Nordsee und Marschlandschaft beantworten.

Durch letztere fahren wir nun Richtung Norden, zum Hafen von Neuharlingersiel. Dort angekommen steigen wir direkt auf einen schönen alten Fischkutter, mit dem wir uns nun zu unserm eigentlichen Ziel aufmachen: der Insel Spiekeroog. Doch vorher machen wir einen kleinen Abstecher zu den Seehundbänken vor der Insel, auf der sich jetzt bei Niedrigwasser die Seehunde tummeln. Gerade um diese Jahreszeit sieht man auch viele Seehundwelpen. Diese müssen kurz nach der Geburt auf der Sandbank, durch die herannahende Flut dazu gezwungen, schwimmen können.

Gemeinsam mit den Kindern erkunden wir außerdem die tierische Vielfalt unter der Wasseroberfläche des Wattenmeers. Mithilfe eines Schleppnetzes werden Schwimmkrabbe, Seestern und Co. an Bord geholt und gemeinsam mit den Kindern bestaunt. Wer mutig ist, darf auch mal eine Strandkrabbe auf die Hand nehmen. Nachdem die Tiere wieder in die Freiheit entlassen worden sind, nehmen wir nun Kurs auf Spiekeroog. Hier erkunden die Kinder zunächst die Artenvielfalt der am Hafen liegenden Salzwiesen und des angrenzenden Wattes. Vor allem der schlammige Boden hat es uns hier angetan und wir genießen es mit nackten Füßen im Matsch zu stehen. Spontan entschließen wir uns dazu, gemeinsam mit den Kindern den Müll, der leider auch hier in größeren Mengen angespült und zurückgelassen wird, aufzusammeln und darüber zu sprechen.

Nach dem lehrreichen Vormittag ist es nun Zeit für etwas Freizeit. Wir erkunden zunächst das Inselinnere und den wunderschönen Ortskern, bevor wir uns zu kilometerlangen weißen Sandstrand im Norden der Insel aufmachen. Hier ist genug Platz zum Volleyballspielen, Radschlagen und Rennen – so weit, wie die Füße einen tragen. Nachdem sich alle erst ausgepowert haben, kommen wir mit einem Eis am Strandkiosk wieder zu Kräften und treten den Rückweg an.

Auf dem Weg zurück zum Hafen beobachten wir noch ein paar Vögel, wie den Austernfischer und den Säbelschnäbler. Wir erblicken aber auch eine Vogelart, die wir hier nicht unbedingt erwartet hätten: einen Fasan. Monika erklärt uns, dass diese Art vor knapp hundert Jahren auf der Insel zu Jagdzwecken ausgesetzt wurde und in der Zwischenzeit hier heimisch geworden ist.

Am Hafen angekommen setzten wir uns nach einem langen Tag voller neuer Eindrücke und Erlebnisse in die Fähre und fahren zurück ans Festland, wo uns schon der Bus Richtung Wilhelmshaven erwartet. Die ganze Heimfahrt über erzählen mir die Kinder von ihren schönsten Momenten des Tages. Es ist schön, von so viel Begeisterung umgeben zu sein.

Lisa-Maria Wagner

Umweltpraktikantin 2022

Ort

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer